Mo

23

Mär

2009

Aus Freude am Fahren

Auf dem Rennrad kam mir am Wochenende der Gedanke, ob es nicht besser wäre, wenn statt Opel doch BMW Pleite ginge. Es war der erste richtig schöne Frühlingstag des Jahres, und es fehlte nicht einmal ein halber Meter, dann wäre es mein letzter Tag überhaupt gewesen. So viel Abstand hielt der Fahrer eines schwarzen 3er-BMWs, als er mich mit 100 Stundenkilometern überholte, wo 70 erlaubt waren. Etwas später drängte mich ein ebenfalls viel zu schnelles BMW-Coupé fast aus der Kurve. Und gegen Ende meiner zweistündigen Ausfahrt durch die Sonne kam mir ein Cabrio entgegen – auf meiner Straßenseite. Das Blöde an dieser Situation war, dass man erst anhalten und sich umdrehen muss, um dem (selbstverständlich männlichen) Rowdie den Mittelfinger zu zeigen.

Ich glaube nicht, dass BMW-Fahrer grundsätzlich schlechte Menschen sind. Ich kenne bestimmt ein Dutzend. Sie sind größtenteils sehr nett, erfolgreich im Beruf, und wenn man ein Phantombild des typischen BMW-Fahrers anfertigen würde, sähe dieser Durchschnitts-BMW-Fahrer attraktiver aus als die Menschen, die einen Opel steuern oder der Generation Golf angehören. Trotzdem habe ich an diesem sonnigen Frühlingstag folgende These aufgestellt: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Besitzer bayerischer Sportflitzer wegen ihrer dekadenten Freude am Fahren Menschen in Gefahr bringen, ist sehr viel höher, als dass Fans des Ballerspiels Counterstrike auf dem realen Schulhof ein Massaker anrichten. Warum also verbannt die Bundesregierung nicht endlich alle BMWs von den Straßen? Der BMW-Fahrer als Individuum ist ehrenwert, als System aber eine Katastrophe – so wie Josef Ackermann als Privatmann bestimmt okay ist, als Banker jedoch für ein überholtes Wirtschaftssystem steht.

Beim Radfahren lernt man mit der Zeit auch geschlechtsspezifische Unterschiede des Homo Automobilis kennen: Überdurchschnittlich viele Männer (und zwar nicht nur die am Steuer eines BMW) fahren zu schnell, aber wenn einen ein Auto mit angepasster Geschwindigkeit überholt und viel zu wenig Abstand hält, steuert mit ziemlicher Sicherheit eine Frau den Wagen. Klingt wie ein pointenfreier Mario-Barth-Witz, ist aber subjektiv erwiesene Alltagsempirie. Radfahrer können darüber nicht lachen. Denn wo ist der Unterschied, wenn man entweder von einem Mann ohne Tempogefühl umgebrettert wird oder etwas sanfter von einer Frau, die sich nicht zurechtfindet im Raum-Zeit-Kontinuum? In beiden Fällen ist der leicht abgewandelte Satz eines TV-Kommissars und BMW-Fahrers nicht weit: Harry, hol schon mal den Krankenwagen.

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Kommentare: 2

  • #1

    Ruben (Dienstag, 06 Dezember 2011 12:58)

    Interessanter Bericht mit Ansichten, die ich bisher so noch nicht gesehen haben. Klingt aber gut und deswegen schaue ich hier gerne wieder einmal vorbei.

  • #2

    Bernd (Freitag, 09 Dezember 2011 12:37)

    Ja da kann ich nur zustimmen. Klingt alles wirklich sehr interssant und ansatzweisen sind gegeben über die man vielleicht mal nachdenken sollte.

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