Di

25

Jan

2011

Ein Radschlag

Habe mir gerade ein neues Rennrad gekauft und erst danach festgestellt, dass ja noch Winter ist, also entweder Schnee und Eis auf den Straßen liegen oder Rollsplitt, der so spitz ist wie Dieter Bohlen nach drei Monaten in einem Kloster. An all die Autofahrer, die ungefähr so höflich und fair sind wie Dieter Bohlen als "DSDS"-Juror, hatte ich auch nicht mehr gedacht. Man kann noch so passende Kleidung anziehen - Rennradfahren macht im Winter keinen Spaß. Wahrscheinlich werde ich mein neues Gefährt noch eine Weile stehen lassen, bis es wirklich keinen Schnee mehr gibt und die Autofahrer den Splitt von den Straßen gekehrt haben. So lang werde ich den nicht mehr brandaktuellen Clip zum Nada-Surf-Song "Whose Authority" anschauen. Der macht fast so viel Spaß wie eine schöne Ausfahrt an einem autofreien Sonntagmorgen.  

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Do

30

Dez

2010

Zwanzigzehn war eine Null

Das passende Lied zu diesem verfickten 2010 stammt von Gisbert zu Knyphausen: "So wie es war, wird's nie wieder sein.
Und so wie es ist, wird's nicht bleiben." Dieses Jahr schien ein sehr seltsames Licht.

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Do

05

Aug

2010

Die übers Wasser laufen

Sportlich gesehen waren die vergangenen Monate die schönsten meines Lebens. Erst verfolgte ich alle 5231 Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach dem Finale war ich so sehr geflasht, dass ich nicht wusste, wer den Titel mehr verdient gehabt hätte: die Spanier wegen ihres Kurzpasspiels oder die Niederländer wegen Nigel de Jong und seines Kung-Fu-Tritts, gegen den sogar Jackie Chan alt ausgesehen hätte. Dann saß ich fasziniert vor dem Fernseher, als die Tour-de-France-Helden Andy Schleck und Alberto Contador den Col du Tourmalet hinaufrasten. Es sah so leicht und unschuldig aus. Ich dachte, das können keine Betrüger sein und verfluchte alle, die billige Wortspiele zum Thema Doping machten und sich fragten, an was Andy schon alles geschleckt habe. Und schließlich schaute  ich mir bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona sogar die Geher an, die wider die menschliche Natur versuchten, 50 km so schnell wie möglich zurückzulegen, ohne dabei zu laufen. Selbst das fand ich zum ersten Mal im Leben nicht pervers. Ich war mir sicher, dass es nichts Schöneres gäbe als Sport im Fernsehen.

Den Gedanken verwarf ich, als im Fernsehen mal kein Sport kam und ich in den Wald ging zum Laufen. Ich rannte, ohne dass mir etwas weh tat. Wochenlang lief ich immer länger und immer schneller. Zwar nicht so schnell wie die 50-km-Geher und längst nicht so schnell wie Arjen Robben, aber es war ein schöner Sommer. Vergangene Woche bekam ich dann so starke Schmerzen im Oberschenkel, dass ich nicht einmal mehr gehen konnte. Es war das Ende eines schönen Sommers.

In der TV-Krimiserie "Mord mit Aussicht" gibt es einen Running Gag mit einer alten buckligen Frau, die am Stock durch die Straßen des Eifel-Örtchens Hengarsch schlurft. Am Ende einer Folge ist sie immer nur ein paar Meter vorwärts gekommen. Letzte Woche wäre mir die alte Frau weggelaufen. Ehrlich. So schlimm war es.

Mittlerweile geht es mir wieder besser, aber niemand weiß, woher die Schmerzen kamen. Ich brauche jetzt ein Wunder. So eines wie in diesem Video, das junge Menschen zeigt, wie sie übers Wasser laufen. Ich glaube fest daran, dass das kein blöder Trick ist.

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Mo

24

Mai

2010

Anpfiff: Ronaldinho kann's noch

Mit 14 Monaten kann unser Sohn immer noch nicht laufen, aber seit heute mach ich mir keine Sorgen mehr. Als er mit dem Ball im Garten saß, hat er einen Trick angedeutet, der ein kleines bisschen aussah wie das, was Ronaldinho im neuen WM-Spot von Nike anstellt. Wer es vergessen haben sollte: Der Brasilianer war vor nicht allzu langer Zeit der beste Fußballer der Welt, bevor er anfing, in der Disko statt auf dem Rasen zu tanzen. Er ist gerade mal 30 Jahre alt, aber seine Zukunft als Ausnahmeathlet scheint schon vorbei zu sein. Sein Nationaltrainer hat ihn nicht in die Selecao für die WM in Südafrika nominiert.

Deswegen finde ich es um so schöner, dass der Regisseur Alejandro González Inárritu ("Babel") ihn in seinem dreiminütigen Clip "Write The Future" auftreten lässt. Neben Ronaldinho spielen dessen Kollegen Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo, Franck Ribéry, der Tennisspieler Roger Federer, der Basketballer Kobe Bryant und der Familienvater Homer Simpson mit. Die tolleren Tricks könnte unser Sohn wahrscheinlich in älteren Nike-Spots lernen, aber nie war ein Fußball-Video so herrlich selbstironisch.

Von mir aus kann die WM jetzt anfangen -wenngleich ich etwas Angst vor einem erneuten Sommermärchen habe. Vor vier Jahren hab ich mich nicht groß darum gekümmert, dass plötzlich alle schwarz-rot-geil waren. Besser so als schon wieder ein Angriff auf Polen, die Sowjetunion und den Rest der Welt, dachte ich mir. Aber jetzt haben wir Kinder. Und Kinder finden es toll, wenn sich Erwachsene wie Kinder benehmen. Falls Bastian Schweinsteiger tatsächlich der neue Michael Ballack wird und Jérome Boateng seinen für Ghana spielenden Bruder Kevin-Prince aus dem Turnier grätscht, muss ich mir vielleicht tatsächlich eine Deutschlandfahne ans Fahrrad klemmen.

--> „Die Jungen heute sind technisch viel besser als wir, weil sie an der Play Station Tricks visualisieren und diese dann automatisch im echten Leben imitieren.“
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So

25

Apr

2010

Viktoria-Duathlon: Die Ergebnisse

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Do

18

Mär

2010

Hang Loose: Läufer sind die besseren Surfer

Habe gerade die schlimmste Zeit durchgemacht, die sich ein Läufer vorstellen kann. Kein Orthopäde, kein Kernspin-Computer und kein Physiotherapeut konnte mir sagen, woher diese Adduktorenschmerzen kommen und was man dagegen machen kann. Ruhe, Tabletten und heilende Hände haben nichts genutzt - es wurde alles nur noch schlimmer. Jemand mit wirklichen gesundheitlichen Probleme mag darüber nur lachen. Aber Läufer, die zwei Jahre lang nicht schmerzfrei laufen können, verlieren den Bezug zur Realität.

Irgendwann hatte ich die Hoffnung auf Besserung aufgegeben. Ein Arzt empfahl mir, doch Tischtennis zu spielen statt zu laufen. Klar, dachte ich, ich könnte auch kegeln gehen oder Schach spielen. Das alles sind bestimmt tolle Tätigkeiten, aber ich habe noch nie von einem Schachspieler im Endorphinrausch gehört. Ich kenne nur Schachspieler, die stinken ohne zu schwitzen. Manchmal kommen aus ihren Pohren so dichte Nebelschwaden, dass der Gegner nicht mehr sehen kann, wo er den Läufer gerade hingezogen hat.

Dann hörte ich "Let's Go Surfing" von der New Yorker Band The Drums. Surfer sind das genaue Gegenteil von Schachspielern: Sie riechen nach frischer Meeresluft und, wenn sie Björn Dunkerbeck heißen, auch nach Nutella - einfach lecker. Ich lernte das Hang-Loose-Zeichen, mit dem sich Surfer grüßen. Sie heben die geschlossene Faust mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger. Erfunden haben soll den Gruß ein Hawaiianer, dem an einer Hand drei Finger fehlten. Ich kaufte mir ein Surfbrett und wollte mir gerade drei Finger abschneiden, als ich das Video zu "Let's Go Surfing" sah, in dem überhaupt niemand surft. Die vier Musiker laufen drei Minuten lang über einen dunklen Strand, das war's. Es sieht besser aus als jede Monsterwelle. Ich verstand, dass Läufer die besseren Surfer sind, stand auf und hatte keine Schmerzen mehr. Seitdem laufe ich mit dem Surfbrett unter dem Arm durch den Wald.

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So

21

Feb

2010

Sind wir nicht alle ein bisschen schwul?

Das hätte ich auch nicht gedacht, aber in diesen Tagen sehne ich mich tatsächlich ein bisschen danach, schwul zu sein. Oder gibt es auch schon eine heterosexuelle Bürgerinitiative gegen Guido Westerwelle? Die von dem schwulen Musiker und Künstler Wolfgang Müller ins Leben gerufene Aktion "Gays Against Guido" muss sich sputen. Wenn der FDP-Vorsitzende so weiter macht, ist er nicht nur der Außenminister mit den miesesten Beliebtheitswerten seit Walther Rathenau, sondern bald auch nicht mehr im Amt. Das wäre eine ganz besondere Form der Dekadenz.

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Do

18

Feb

2010

Der Winter ist an allem schuld

Eigentlich wollte ich schon Mitte Januar ein Pamphlet gegen den härtesten Winter seit 1944 geschrieben haben. Aber ich konnte einfach noch nicht wieder meine Finger bewegen, seit ich Mitte Dezember bei minus 20 Grad eineinhalb Stunden durch den Schnee gelaufen war und zuhause dann nicht einmal mehr die Haustür aufgeschlossen bekam. Dann las ich, dass es selbst Dieter Baumann gar nicht so schlimm findet, wenn man bei jedem Schritt bis zu den Knien in eisberggroßen Schneewehen verschwindet, ständig wegen irgendwelcher Spurrillen umknickt und sich überall blaue Flecken holt, weil der erste Schnee dieses Winters unter den dem vielen anderen längst zu Eis geworden ist, an was man erst wieder gedacht hatte, als man bereits auf dem Boden lag. Der 5000-m-Olympiasieger von 1992 sagt, dass sei das perfekte Ausdauertraining. Und Gott will ich nicht widersprechen.

Aber mittlerweile ist mir das doch alles zu viel. Ich will endlich wieder mit dem Fahhrad zur Arbeit fahren können, und ich will nicht mehr ein Sabbatjahr nehmen müssen, nur damit ich meine Tochter für den Weg zum Kindergarten anziehen und dort wieder entkleiden kann.Deshalb fordere ich die internationale Staatengemeinschaft auf, den Winter abzuschaffen. Der Winter ist der größte Klimakiller und für mehr Kohlendioxid verantwortlich als alle Flugzeuge, Kohlekraftwerke und Kühe der Erde zusammen.

Bis zur von Barack Obama und Mahmud Ahmadinedschad gemeinsam vorgetragenen Resolution beim nächsten Klima-Gipfel erwärme ich mich an Musik aus dem noch kälteren Island. Jónsi, Sänger der Band Sigur Rós, bringt im April sein erstes Solo-Album "Go" heraus. Die Single "Boy Lilikoi" klingt, als würden hunderttausende Krokosse gleichzeitig aus der Erde sprießen und Schmelzwasserflutwellen aus den Bergen Richtung Meer strömen. In diesem komischen Video sieht man dann auch noch Wellenreiter, die bei keinem Wetter auf ihr Hobby verzichten. So müsste man das ganze Jahr über sein.

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Di

02

Feb

2010

It smells like teen fun

Bevor Union und Liberale die Kneipen und Gaststätten des Landes wieder in Räucherkammern verwandeln, mache ich der Tabakindustrie und den Nikotinjunkies einen Kompromissvorschlag: Jeder darf rauchen, wo, wann und solange er will - wenn er mit dem Rauch so tolle Dinge anstellen kann wie Tom Noddy. Seit mehr als drei Jahrzehnten begeistert der Kalifornier Raucher und Nichtraucher mit Seifenblasenkunststückchen, die dank einer Zigarette zu großer Kunst werden. Ich habe Noddy gestern zum ersten Mal live gesehen und mir anschließend im Bahnhofskiosk sofort eine Packung Schokoladenzigaretten besorgt. 

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Fr

29

Jan

2010

Grüner wird's nicht

Geht das eigentlich? Mehmet Scholl gut finden und grün sein? Vielleicht wollte sich der ehemalige Bayern-Profi nur bei seinem konservativen Vereinsmanager Uli Hoeneß einschleimen, als er 1994 in einem Fragebogen dieses Lebensmotto angab: "Hängt die Grünen, so lange es noch Bäume gibt!" Scholl hat mittlerweile auch den Marsch durch die Institutionen angetreten und ist heute TV-Experte, aber noch lange nicht so dick wie Joschka Fischer. Beide tauchen in dem grandiosen Grün-O-Gramm auf, mit dem das Zeit-Magazin der Partei zum 30. Geburtstag gratuliert. Ohne viele Worte zu verlieren, sondern einfach anhand ihrer Symbole. (via kessel.tv)

Viel besser als der Grünen-Spruch war übrigens Scholls Antwort auf die Frage, was er niemals machen werde: "Einen Blinden an eine Litfaßsäule stellen und sagen: 'Diese Wand führt Dich nach Hause'".

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Do

28

Jan

2010

Im Apfelrausch

Ich sollte nicht nur nicht mehr den Spiegel lesen, sondern auch keine Tageszeitungen mehr und keine Blogs, kein Fernsehen mehr schauen und einfach mal das Radio ausmachen. Dann würde ich all den Kokolores um Steve Jobs' neue Schiefertafel nicht mitbekommen. Es gibt also bald ein Gerät ohne Kamera und USB-Schnittstelle, Flash kann es nicht, und den Akku kann man auch nicht wechseln. Mein vorletztes Notebook aus dem Jahr 1999 war da irgendwie schon weiter. Und trotzdem machen die Apple-Fans ein Gedöns, als habe der Heiland eine Neufassung der zehn Gebote auf seine Schiefertafel gekritzelt. Selbst wenn der iPad tatsächlich eine Revolution wäre - wieso müssen sich alle benehmen, als habe jemand LSD in den Apfel getan? Den aussagekräftigsten Gerätetest haben bislang die Leute von "Spam" gemacht - auf Spiegel Online.

Und schon Hitler hatte Probleme mit dem iPad:

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Mo

25

Jan

2010

Ein kurzer Blick in den Rückspiegel

Wenn Francis Fukuyama Recht hat und es tatsächlich ein Ende der Geschichte gibt, wäre heute ein guter Tag dafür. Als ich an diesem Montagmorgen zum Briefkasten ging, war zum ersten Mal seit September 1989 kein Spiegel drin. Ich habe das Nachrichtenmagazin über zwei Jahrzehnte Woche für Woche gelesen. Wenn ich die Welt seitdem ein kleines bisschen verstanden habe, lag das auch am Spiegel, der über sie nicht nur berichtete, sondern sie mir in mehr oder weniger großartigen Texten zeigte.

Nun hat meine Frau gesagt, dass wir sparen müssen. Weil ich zuletzt immer weniger im Spiegel las und ich dort immer weniger großartige Texte fand (was auch daran gelegen haben mag, dass ich kaum mehr im Spiegel las), habe ich mein Abo gekündigt. Es war ein komisches Gefühl heute am leeren Briefkasten. Ich fühlte mich, als würden alle meine Freunde eine Party feiern, während ich zuhause hocke.

Später im Supermarkt ging es mir wieder besser. Ich nahm den aktuellen Spiegel, der gleich neben der Gala lag, blätterte darin und noch bevor die Kassiererin mit dem Kunden vor mir fertig war, hatte ich das Gefühl, alles erfahren zu haben. Komisch: Früher hatte ich nicht einmal die Hälfte aller interessanten Texte gelesen, da kam schon das neue Heft; und jetzt braucht man für einen Spiegel genauso wenig Zeit wie für die Bild. Die Welt wird sich auch weiter drehen, ohne dass ich in den Spiegel schaue.

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Mi

23

Dez

2009

Auch wilde Kerle brauchen Liebe

Man muss Spike Jonzes Verfilmung des Kinderbuchklassikers "Wo die wilden Kerle wohnen" wirklich nicht gesehen haben. In den 100 Kinominuten passiert kaum mehr als auf den 40 Seiten des Originals von Maurice Sendak. Dafür ist der Soundtrack von Karen O, der Sängerin der New Yorker Band Yeah Yeah Yeahs, eine Wucht. Klingt wie eine Mischung aus Kindergeburtstag und einem Indie-Konzert im coolen Keller-Club. Es reicht also, wenn man sich den knapp dreiminütigen Trailer ansieht. Übrigens: Irgendwie erinnert mich einer der liebenswerten Monster an den ehemaligen SPD-Pop-Beauftagten Sigmar Gabriel, der heute der König der Partei ist. Im Film will der kleine Max mit den wilden Kerlen eine riesige Festung bauen. Alle freuen sich über den Vorschlag ihres Königs, aber dann sind sie schnell zerstritten. Kann es sein, dass sich Jonze mit seinem Co-Autoren Dave Eggers von der deutschen Sozialdemokratie inspirieren ließ?

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Mo

21

Dez

2009

Prima Klima: Willkommen im 21. Jahrhundert

Wenn der Philosoph Peter Sloterdijk Recht hat, dann werden wir auch noch in einigen Jahren ganz genau wissen, wo wir am 19. Dezember 2009 waren, als die Regierungschefs der Welt unsere Zukunft aufs Spiel setzten. Das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen ist für Sloterdijk mindestens so bedeutsam wie der Terroranschlag auf die USA am 11. September 2001, wie er heute im Interview mit Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung sagt:

"Man hat uns glauben gemacht, das 21. Jahrhundert habe am 11. September 2001 begonnen, und sein Grundthema sei Sicherheit vor dem Terror. In Wahrheit beginnt das 21. Jahrhundert mit dem Debakel vom 19. Dezember 2009 - sein Grundthema ist das Fehlen von Global Governance. Die ganze politische Sphäre ist bloßgestellt, alles, was vorgibt, an der Macht zu sein, erscheint von jetzt an wie ein hohles Ancien Régime. Nach Kopenhagen leben wir in einer vorrevolutionären Situation neuen Typs. In aller Welt werden die Bürger nach Sicherheit vor ihren Regierungen verlangen."

Aber bis die Revolution stattfindet, werden wohl noch einige Inseln im Meer versinken. Der britische Guardian kommentiert das Minimalkonsens-Ergebnis des Gipfels nüchtern:

"Es ist wie wenn einer lieber auf die Lebertransplantation spart, als mit dem Trinken aufzuhören."

Trost spendent allenfalls die Erkenntnis von Nils Minkmar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

"Denn die Welt ist kein bisschen in Gefahr. Dieser Felsen dreht sich ewig weiter. Es sind die Menschen und die Lebensumstände, für die es eng wird; für einige sehr eng, für andere nicht. Doch weil sich darüber so schwer streiten lässt, wenn man großmütig klingen möchte statt wie schlimme Bälger im Sandkasten - was aber der Wahrheit näher käme und uns den ganzen Kitsch ersparte -, redet man von der Welt."

Was das alles für uns auf der Welt bedeutet? Keine Ahnung. Ich verzichte auf Flugreisen und Fleisch, aber jeden Morgen habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich literweise Milch über mein Müsli schütte und dabei an die Kühe und das Methan denke.

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Sa

19

Dez

2009

Mach bloß nicht dein Ding

Ein Leben lang habe ich darunter gelitten, dass ich nicht einmal einen Nagel in die Wand hauen kann. Als Kind bauten meine Kumpel Baumhäuser - und ich schaute zu. Heute renovieren alle ihre eigenen vier Wände oder ziehen Eigenheime hoch - und ich bastel allenfalls an meiner Webseite. Seitdem Baumärkte wie Hornbach und Hagebau auch noch die witzigsten und innovativsten Werbespots im deutschen Fernsehen machen, ist die Diktatur der Heimwerker perfekt. Wie gut, dachte ich, dass wenigstens Tocotronic zurückschlagen. Ihre erste Single aus dem im Januar erscheinenden Album "Schall und Wahn" ist ein Pamphlet gegen den Do-it-Yourself-Wahn.

In "Macht es nicht selbst" heißt es: "Heim und Netzwerkerei stehlen dir deine schöne Zeit, wer zuviel selber macht, wird schließlich dumm - ausgenommen Selbstbefriedigung." Ich habe mich also zu früh gefreut. Dirk von Lowtzow singt nicht gegen Baumärkte, sondern gegen das Web 2.0. Nicht einmal Texte kann ich interpretieren. Wenn ich einen Hammer besäße, würde ich mir auf den Kopf hauen.

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So

22

Nov

2009

Schwarz-gelbe Rauchzeichen

Für was genau die schwarz-gelbe Bundesregierung steht, weiß man auch nach der Klausur in Meseberg noch nicht. In den Bundesländern haben Union und FDP ihr großes Projekt indes schon gefunden: Sie schaffen das Rauchverbot wieder ab, bevor es ein richtiges Rauchverbot werden konnte. Ich habe da zwei Fragen an die offensichtlich völlig benebelten Politikerköpfe:

1) Werden demnächst auch Pinkelzonen in Schwimmbädern gesetzlich eingeführt?

2) Sollten Fleischesser von jedem Steak, das sie in der Kantine auf dem Teller liegen haben, nicht ein Stück abschneiden und es dem Vegaterier am Nebentisch per Zwangsernährung einführen?

Genau so läuft das nämlich mit dem Rauchen in Restaurants, Kneipen und überhaupt. Ich will nicht schon wieder mit krebserregenden Stoffen eingeräuchert werden, nur weil irgendjemand keine Lust hat, auf sozialere Drogen umzusteigen.

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So

22

Nov

2009

Ein Sommermärchen im Winter

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wird kein neues Sommermärchen, schließlich ist im Juni und Juli in Südafrika Winter. Aber wenn The Parlotones auf dem WM-Soundtrack dabei sind, dürfte das Turnier ein größerer Hit werden als die von Xavier Naidoo und den Sportfreunden Stiller dauerbedröhnten Festspiele des schlechten Musikgeschmacks anno 2006 in Deutschland. In ihrer Heimat füllen die Südafrikaner große Stadien. Das aktuelle Album A World Next Door To Yours klingt, als wären Coldplay mit den Killers im Studio gewesen. Melodischer Indierock mit Hang zu großen Gesten. Bestes Beispiel dafür ist Ballade I'll Be There.

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Mi

18

Nov

2009

Robert Enke und kein Ende

Selten ist ein Mensch so öffentlich gestorben wie Robert Enke. Es wurde viel geschrieben über den Selbstmord des Fußball-Nationaltorwarts - viel Richtiges und auch jede Menge Blödsinn. Mit das Interessanteste war die taz-Kolumne von Markus Völker über "Die Trauer der Masse":

"Psychiater wissen, dass Männer oft aggressive Varianten der Selbsttötung wählen. Sie werfen sich vor die U-Bahn oder lassen sich von einem Regionalzug überrollen, so wie es Robert Enke getan hat. Selbstmorde sind Verzweiflungstaten, sicher, sie sind aber auch aggressive, egomanische Akte, die den Hinterbliebenen ein bleischweres Erbe hinterlassen. Sie verändern zudem das Leben Unbeteiligter, der Zugführer etwa, die nicht verhindern konnten, den Lebensmüden mit dem Zug zu überrollen.

Sie müssen erst damit klarkommen, dass sie keine Schuld am tragischen Geschehen haben. Oft endet ihr Trauma, enden ihre Selbstvorwürfe in der Arbeitsunfähigkeit. Zurück bleibt auch die traumatisierte Familie, im Fall von Robert Enke die Adoptivtochter und seine Frau Teresa. Ihr Leben ist nicht mehr das alte. Es findet gerade vor aller Augen statt; es ist schwer zu sagen, ob das ihre Trauerarbeit, vor allem die, die noch auf sie zukommt, einfacher macht.

Eines ist jedoch gewiss: Die Hinterbliebenen profitieren davon, dass die Gesellschaft säkular und offen ist. Teresa Enke muss nicht mehr mit dem Stigma der Entrechtung, mit dem Schweigen leben. Robert Enke wurde nicht im hintersten Eck eines Friedhofs verscharrt, er bekam eine öffentliche Trauerfeier.

So gut es ist, Tabuthemen zu behandeln und unwürdige Traditionen zu beenden, so falsch wäre es jetzt, Robert Enke zu einem Helden zu stilisieren oder gar zu einem Märtyrer für alle Trübsinnigen dieser Republik. Er hat sich umgebracht. Wenn jene, die sich mit dem bittersüßen Saft der Larmoyanz besoffen haben, wieder nüchtern werden, dann sollten sie erkennen, dass es noch andere Wege der Krisenbewältigung gibt."

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Sa

07

Nov

2009

Angemerkelt

Würde Robert Lembke noch leben und Angela Merkel bei seinem heiteren Beruferaten um eine typische Handbewegung bitten, sähe die Antwort der Kanzlerin ungefähr so aus, wie es Merkelizer auf seiner Flickr-Seite zeigt. Nicht einmal der Medienliebling Gerhard Schröder hat die Politik der ruhigen Hand so perfekt dargestellt.  

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Sa

31

Okt

2009

Der neue Westerwelle

Es kommt zwar etwas überraschend, aber offensichtlich ist es tatsächlich so: Guido Westerwelle, der gestern noch redete, als sei er die Bauchrednerpuppe von Dieter Hundt, ist jetzt nicht nur Außenminister, sondern auch der Regierungssprecher der kleinen Leute. Die BR-Sendung "quer" hat das schön veranschaulicht.

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Mi

28

Okt

2009

Läufer sind anders

Weil es in der dunklen Jahreszeit bisweilen etwas anstrengend ist, sich zum 6-Uhr-Morgenlauf aufzuraffen, können einige mediale Motivationshilfen nicht schaden. Zum einen die schon ein Jahrzehnt alte, aber immer noch herrliche Adidas-Kampagne "Runners, Yeah, We're Different", die mit zahlreichen Motiven zeigt, wie bekloppt und liebenswert wir doch sind.

Zum anderen das Video zur neuen Editors-Single "Papillon". Eigentlich rennen zu düsteren Synthesizer-Melodien nur ein paar Typen wie Verrückte durch die nächtliche Stadt. Trotzdem habe ich seit dem Film "Chariots of Fire" nicht mehr eine so schöne Lauf-Choreografie gesehen. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich jetzt, um halb elf abends, noch einen halbstündigen Tempodauerlauf machen.

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Di

29

Sep

2009

Die Welle kommt

Den wahrsten Satz zum Bundestagswahlergebnis sagte der Sieger. In der Elefantenrunde bei ARD und ZDF wies der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle den Fragesteller Nikolaus Brender zurecht: "Angela Merkel verschenkt keine Stimmen, der Wähler verschenkt seine Stimme." Besser hätte es auch der Kabarettist Hagen Rether nicht formulieren können, der es nicht fassen kann, dass die Partei, die uns mit ihrem Deregulierungswahn die ganze Krise eingebrockt hat, nun von allen geliebt wird. "Das Vieh wählt seinen Metzger", sagt Rether.

Vielleicht markiert der 27. September den Beginn einer neuen Bewegung, die der Autor Wiglaf Droste schon vor Jahren ankündigte: "Als menschliches Antlitz des Kapitalismus ist Westerwelle eine Fehlbesetzung. Schon bald wird sich ein Aktionsbündnis 'Schwule gegen Westerwelle' formieren, denn Westerwelle unterminiert penetrant das positiv diskriminierende Vorurteil, Homosexuelle seien durch die Bank gut aussehend, stilvoll und charmant."

Immerhin gibt es schon eine Westerwelle-Hymne. Sie stammt von den Satirikern der NDR-Sendung "Extra 3".

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Fr

04

Sep

2009

Besser als "Erwachsen auf Probe"

Die RTL-Doku "Erwachsen auf Probe" war so ziemlich das Erbärmlichste, was sich die Fernsehmacher in diesem Jahr ausgedacht haben. Junge Menschen, die selbst noch Kinder sind, mussten sich vor laufender Kamera um Babys kümmern. Manchmal schrieen die Kinder, als wollten sie sagen: "Ich will nicht in der Obhut eines kettenrauchenden 16-Jährigen sein, der micht auf der Wickelkommode liegen lässt, während er in die Küche geht."

Auch im Video zum Song "Kids" des US-Elektropop-Duos MGMT weinen Kinder, aber wenn man den Clip als Kommentar zur medialen Zurschaustellung unseres Nachwuchses betrachtet, kann man ihn auch einfach nur gut finden.

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Di

01

Sep

2009

Viereinhalb Minuten Hass

Als Jochen Distelmeyer auf dem letzten Blumfeld-Album in neoromantischer Dekadenz vom Apfelmann sang, hätte ich ihn am liebsten mit einem Korb voller Fallobst beworfen. Nun aber habe ich ihn wieder in mein Herz geschlossen. Auf seinem am 25. September erscheinendem Solo-Debüt fragt er: "Wohin mit dem Hass?" Und im wunderbar düsteren Slowmotion-Video lässt er sich sogar abknallen. Wow. Jochen Distelmeyer ist der Maxim Biller des Pop.

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Mo

30

Mär

2009

Früher ist besser

Was an der Mitteleuropäischen Sommerzeit nervt, ist das Jammern, dass die Mitteleuropäische Sommerzeit so nervt. Nachdem in der Nacht zu Sonntag die Uhren um eine Stunde nach vorn gestellt wurden, klagen wieder überall Menschen, dass ihr Biorhythmus aus dem Takt geraten sei, dass sie nicht mehr schlafen könnten und dass sie ständig müde seien. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber wenn ich müde bin, gehe ich schlafen. Danach bin ich meistens wach.

Die Sommerzeit ist eine der besten mitteleuropäischen Erfindungen. Wer auf sie schimpft, der schimpft auch gern auf die Bahn, auf die Post, den Regen und all die anderen Dinge, die im Leben nicht ganz unwesentlich sind. Wahrscheinlich könnte man auch ganz gut ohne Sommerzeit zurecht kommen, aber die lauen Juniabende wären dann nicht so schön. Wenn man auf der Wiese Frisbee spielen würde, bekäme man andauernd die Scheibe ins Gesicht, weil es ja eine Stunde früher dunkel werden und man nicht einmal mehr die Hand vor Augen (geschweige denn eine Frisbee-Scheibe) sehen würde. Man würde Tom Buhrow und Carmen Miosga für immer als Fürsten der Dunkelheit in Erinnerung behalten, weil die Tagesthemen-Moderatoren nie Tageslicht zu Gesicht bekämen. Die Menschen, die jetzt über die Sommerzeit klagen, sitzen an lauen Juniabenden vor dem Restaurant und wünschen sich, dass es doch immer so lang so hell sein möge.

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Mo

23

Mär

2009

Aus Freude am Fahren

Auf dem Rennrad kam mir am Wochenende der Gedanke, ob es nicht besser wäre, wenn statt Opel doch BMW Pleite ginge. Es war der erste richtig schöne Frühlingstag des Jahres, und es fehlte nicht einmal ein halber Meter, dann wäre es mein letzter Tag überhaupt gewesen. So viel Abstand hielt der Fahrer eines schwarzen 3er-BMWs, als er mich mit 100 Stundenkilometern überholte, wo 70 erlaubt waren. Etwas später drängte mich ein ebenfalls viel zu schnelles BMW-Coupé fast aus der Kurve. Und gegen Ende meiner zweistündigen Ausfahrt durch die Sonne kam mir ein Cabrio entgegen – auf meiner Straßenseite. Das Blöde an dieser Situation war, dass man erst anhalten und sich umdrehen muss, um dem (selbstverständlich männlichen) Rowdie den Mittelfinger zu zeigen.

Ich glaube nicht, dass BMW-Fahrer grundsätzlich schlechte Menschen sind. Ich kenne bestimmt ein Dutzend. Sie sind größtenteils sehr nett, erfolgreich im Beruf, und wenn man ein Phantombild des typischen BMW-Fahrers anfertigen würde, sähe dieser Durchschnitts-BMW-Fahrer attraktiver aus als die Menschen, die einen Opel steuern oder der Generation Golf angehören. Trotzdem habe ich an diesem sonnigen Frühlingstag folgende These aufgestellt: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Besitzer bayerischer Sportflitzer wegen ihrer dekadenten Freude am Fahren Menschen in Gefahr bringen, ist sehr viel höher, als dass Fans des Ballerspiels Counterstrike auf dem realen Schulhof ein Massaker anrichten. Warum also verbannt die Bundesregierung nicht endlich alle BMWs von den Straßen? Der BMW-Fahrer als Individuum ist ehrenwert, als System aber eine Katastrophe – so wie Josef Ackermann als Privatmann bestimmt okay ist, als Banker jedoch für ein überholtes Wirtschaftssystem steht.

Beim Radfahren lernt man mit der Zeit auch geschlechtsspezifische Unterschiede des Homo Automobilis kennen: Überdurchschnittlich viele Männer (und zwar nicht nur die am Steuer eines BMW) fahren zu schnell, aber wenn einen ein Auto mit angepasster Geschwindigkeit überholt und viel zu wenig Abstand hält, steuert mit ziemlicher Sicherheit eine Frau den Wagen. Klingt wie ein pointenfreier Mario-Barth-Witz, ist aber subjektiv erwiesene Alltagsempirie. Radfahrer können darüber nicht lachen. Denn wo ist der Unterschied, wenn man entweder von einem Mann ohne Tempogefühl umgebrettert wird oder etwas sanfter von einer Frau, die sich nicht zurechtfindet im Raum-Zeit-Kontinuum? In beiden Fällen ist der leicht abgewandelte Satz eines TV-Kommissars und BMW-Fahrers nicht weit: Harry, hol schon mal den Krankenwagen.

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Do

19

Mär

2009

Auf dem Laufenden

Als ich zum ersten Mal begann, Tagebuch zu schreiben, schien die Sonne und das Thermometer zeigte 28 Grad. Es war der erste Eintrag in mein Lauftagebuch, in dem ich seit dem 14. August 1989 Tag für Tag notiere, wie weit ich gelaufen (und manchmal auch wie weit ich Rad gefahren) bin, wie schnell ich dabei war, ob es regnete oder stürmisch war, ob ich am liebsten ewig so hätte weiter laufen können oder ob ich der Meinung war, dass es am frühen Morgen bei Sonnenschein und 28 Grad im Schatten nicht sinnvollere Tätigkeiten gibt.

Gibt es einerseits natürlich schon – zum Beispiel für andere Menschen da zu sein. Andererseits gibt es nicht viele Dinge, die schöner sind, als am frühen Sonntagmorgen durch eine menschenleere Stadt zu laufen, nach einer Regenschauer den Wald zu riechen, einen Berg hinaufzulaufen. Endorphin is my Heroine. Das spürt man vor allem, wenn man auf Entzug ist.

Der letzte Eintrag in mein Trainingstagebuch liegt sechs Wochen zurück. Seitdem bin ich verletzt (was für mich früher eine Katastrophe gewesen wäre, nun aber nur eine kleine, blöde Sache, weil ich gerade zum zweiten Mal Vater geworden bin, was das Allerschönste ist). Jetzt beginne ich ein neues Tagebuch. Gerade jetzt, als ich den ersten Eintrag dieses Weblogs starte, scheint wieder die Sonne, und das Thermometer zeigt 6 Grad. Man könnte jetzt prima laufen, wie man bei jedem Wetter prima laufen könnte. Das ist ja das Schöne. Darum soll es in diesem Blog gehen: Das Laufen, die Familie und manchmal auch Gott und die Welt.

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